Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18, 20)

Konzertlesung mit Arne Kopfermann

Mitten aus dem Leben
Eine Konzertlesung über Schönheit und Schmerz, Glaube und Trauer
Arne Kopfermann – Gesang, Gitarre / Anni Gräb – Gesang, Piano
Matthias Gräb – Bass / Eckhard Jung – Schlagzeug, Percussion

“Mitten aus dem Leben“ erlaubt einen Blick hinter die Kulissen der ersten Teiletappe meiner Trauer. Ich muss mit dem Gedanken leben lernen, dass uns als Familie die Folgen dieses Verlustes unser gesamtes Leben begleiten werden. Und ich habe mich bewusst entschieden, diesen Prozess in einer Phase öffentlich zu machen, in der es sich noch nicht so anfühlt, als hätte ich das Leben so langsam wieder unter den Füßen und wir das Schlimmste schon hinter uns. Was dann mit einer Sprache einhergehen würde, die schon so verarbeitet, distanziert und abgeklärt klingt, dass sie sich für den akut Trauernden wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen kann.

Es gehört zu meinem Weg, der Trauer mit offenen Augen entgegenzutreten, den Schmerz anzuschauen und mich nicht abzuwenden. Denn ich möchte in meinen Konzertlesungen denen eine Stimme leihen, die selbst durch die erdrutschartige Erfahrung eines überwältigenden persönlichen Verlustes gehen müssen und sich dieser Aufgabe – so wie ich – in keiner Weise gewappnet fühlen. Die manchmal verzweifelt resignierend und dann wieder hoffnungsvoll kämpferisch den Weg zurück ins Leben suchen und die Zerreißprobe zwischen Zweifel und Glaube, Selbstkasteiung und Selbstannahme, Eigen- und Fremdtrauer, Orientierungssuche und Bewusstsein der eigenen Bestimmung nur allzu gut aus eigener Erfahrung kennen. Ich möchte Mut machen, ehrlich zu sein und keine vorschnellen Antworten zu geben. Einen eigenen Weg der Trauer zu finden. Geduldig zu sein mit sich und mit anderen. Dem übermäßigen Drang nicht nachzugeben, ad hoc alles verändern zu wollen, weil ja nichts mehr ist, wie es einmal war. Aber sich auch nicht der Chance einer prozesshaften Veränderung zu verschließen. Es geht in den Liedern wie auch den gelesenen Texten um den Umgang mit Schmerz und Trauer, aber auch um meinen Glauben und die ehrliche Bestandsaufnahme, welchen Veränderungen dieser Glaube in den letzten Monaten unterworfen ist. Ich werde nicht verschweigen, dass ein so einschneidender Verlust die eigene Vorstellung von Gott und sogar die gesamte Beziehung zu Gott in Frage stellen kann – auf jeden Fall aber verändern wird.

Persönliche Verluste gehören zum Leben eines jeden Menschen dazu. Egal ob es sich dabei um eigene Träume, das Wegbrechen des Arbeitsplatzes, das Scheitern einer langjährigen Beziehung oder den Tod eines geliebten Menschen handelt. Dafür brauchen wir tragfähige Strategien. Wie schön ist es, in allem Leid doch erleben zu können, dass trotz des eigenen Schicksals das kindliche Vertrauen nicht verloren gehen muss, sondern am Ende des Ringens Gott größer und gewaltiger dastehen kann als vorher.